Barfuß im Alltag und im Büro

Barfuß im Alltag und im Büro: Warum immer mehr Menschen die Schuhe ausziehen

Schuhe aus, Füße frei: Was lange als Marotte von Hippies und Yogis galt, ist im Mainstream angekommen. Barfußschuhe gibt es inzwischen als Sneaker und Winterstiefel, und in manchen Büros steht am Eingang ein Schuhregal. Wir schauen uns an, woher der Trend kommt, was die Forschung dazu sagt und wie barfuß im Arbeitsalltag funktionieren kann.

Vom Nischenprodukt zum Trend

Am deutlichsten sieht man die Entwicklung bei den Barfußschuhen. Diese Schuhe haben eine dünne, flexible Sohle ohne Fersenerhöhung und viel Platz für die Zehen. Sie sollen dem Gehen ohne Schuhe möglichst nahekommen.

In Offenbach gibt es mit der „Barefoot – European Shoe Fair“ nach Angaben der Veranstalter sogar die erste reine Barfußschuhmesse Europas. Zur Premiere kamen 71 Aussteller. Der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie schätzt den Anteil von Barfußschuhen am Gesamtmarkt zwar erst auf 1 bis 1,5 Prozent. Er beobachtet aber, dass sie zunehmend im Trend liegen, getragen von wachsendem Gesundheitsbewusstsein und dem Wunsch nach Wohlbefinden.

Was die Forschung sagt

Die bekannteste Studie zum Thema kommt aus Hamburg. Forschende der Universität Hamburg haben mit Kolleginnen und Kollegen aus Jena und Südafrika rund 1.000 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren verglichen: Kinder aus Südafrika, die im Alltag viel barfuß gehen, und Kinder aus Norddeutschland, die meist Schuhe tragen. Die barfuß aufgewachsenen Kinder hatten signifikant höhere Fußgewölbe und schnitten beim Balancieren und Springen besser ab.

Auch Orthopädinnen und Orthopäden sehen Barfußgehen grundsätzlich positiv. Laut der Fachgesellschaft DGOU ist es nicht nur für Kinder sinnvoll, sondern in jedem Alter, weil es Fußmuskulatur und Wahrnehmung anspricht. Wichtig sind dabei zwei Einschränkungen: Barfuß nur dort, wo keine Verletzungsgefahr besteht, und die Belastung langsam steigern. Wer Fußprobleme hat, sollte vorher ärztlich abklären lassen, ob Barfußgehen oder Barfußschuhe für ihn geeignet sind.

Barfuß im Büro: Der Trend aus dem Silicon Valley

Besonders überraschend ist, wo der Trend gerade auftaucht: im Büro. Mehrere Tech-Start-ups im Silicon Valley haben „No Shoes“-Regeln eingeführt, darunter der Code-Editor-Anbieter Cursor, die Sprachlern-App Speak und die Plattform Whop. Der Lohnabrechnungs-Anbieter Gusto gilt als einer der Vorreiter: Das Team begann in einem Haus in Palo Alto, zog dort die Schuhe aus und behielt diese Tradition im neuen Büro bei. Inzwischen gibt es so viele schuhfreie Büros, dass jemand ein eigenes Verzeichnis dafür angelegt hat. Auch in Großbritannien probieren Start-ups das Modell aus.

Die Gründe ähneln sich: Viele haben im Homeoffice gemerkt, wie viel angenehmer der Arbeitstag ohne Straßenschuhe ist, und wollen das zurück ins Büro holen. Dazu kommen sauberere Böden und eine lockerere, persönlichere Atmosphäre. Eine Professorin für Organisationsverhalten an der Carnegie Mellon University sieht darin eine Chance, Wohlbefinden und Kreativität im Team zu fördern.

Natürlich gibt es auch Kritik. Manche finden das Ganze unprofessionell, andere sorgen sich um die Hygiene. Und der Stanford-Ökonom Nick Bloom gibt zu bedenken, dass der Trend vor allem von jungen Teams getragen wird und sich in gemischteren Belegschaften schwerer durchsetzen dürfte. Übrigens: Die meisten schuhfreien Büros setzen nicht auf nackte Füße, sondern auf Socken oder Hausschuhe.

So klappt es im eigenen Arbeitsalltag

  • Klein anfangen: Ein Paar bequeme Socken oder Hausschuhe am Arbeitsplatz deponieren und die Straßenschuhe unter dem Schreibtisch lassen.
  • Im Team absprechen: Ein Schuhregal am Eingang und eine klare Regel („Schuhe aus erlaubt“ statt Pflicht) nehmen Unsicherheit raus.
  • Rücksicht nehmen: Frische Socken, gepflegte Füße und für Meetings mit Gästen lieber Hausschuhe.
  • Sicherheit geht vor: In Werkstatt, Lager oder Labor gelten Vorschriften zu Schutzschuhen. Dort bleibt barfuß tabu.
  • Bewegung einbauen: Ohne Schuhe fällt es leichter, die Füße zwischendurch zu bewegen, die Zehen zu spreizen oder kurz barfuß über den Teppich zu gehen.

Barfuß sitzen: Warum das zum Yogi Seat passt

Wer die Schuhe auszieht, sitzt oft anders. Viele ziehen dann ganz automatisch die Beine hoch, sitzen im Schneidersitz oder knien. Mit Straßenschuhen geht das kaum. Genau für diese Sitzgewohnheiten haben wir den Yogi Seat gebaut: einen Stuhl ohne Rückenlehne, auf dem du zwischen Schneidersitz, Kniesitz und Hocke wechseln kannst. Schuhe aus, Beine hoch, weiterarbeiten.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du Fußprobleme oder anhaltende Beschwerden hast, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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